Tesla holt zum großen Schlag aus

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Mit seinem Plan für eine Mega-Batteriefabrik sorgte die Elektroautoschmiede Tesla in dieser Woche für Furore. Mit der Milliarden teuren Anlage will das Unternehmen die Batteriekosten um 30 Prozent senken. Der ambitionierte Plan passt zum umtriebigen Firmenchef Elon Musk, der auch Teilhaber eines Unternehmens ist, das Weltraumtransporte ermöglicht.

Ganz so abwegig sind Musks Batterie-Pläne allerdings nicht. Den trotz aller Weltraumvisionen ist der Tesla-Gründer, der seine Millionen noch in der Phase der ersten Internetbooms verdiente, vor allem ein kühl rechnender Unternehmer. Und als solcher weiß er, dass die Wertschöpfung im Elektroauto nicht mehr im Motor, sondern vor allem im Antriebsstrang und in der Batterie liegt. Warum also teuer einkaufen, was sich auch selbst produzieren lässt?

Tesla geht bei den Batterien bisher ohnehin einen anderen Weg als die Konkurrenz. Statt auf eine spezielle Antriebsbatterie für E-Autos zu setzen, verbaut der Hersteller in großem Maßstab sogenannte Consumer-Zellen, also solche die auch in Laptops oder Handys zum Einsatz kommen. Nach eigenen Angaben ist es dem Unternehmen so gelungen, die Kosten pro Kilowattstunde auf 238 US-Dollar zu senken (178 Euro) zu senken.  Damit läge Tesla schon heute weit unter dem Niveau der Konkurrenten. Bis 2020 sollen die Kosten nochmal um 30 Prozent sinken – in der neuen Batteriefabrik.

Aktuell bezieht das Unternehmen aus Kalifornien die Batteriezellen vom japanischen Hersteller Panasonic. Der Hersteller soll sich nun auch an der neuen Batteriefabrik beteiligen. Tesla selbst will rund 1,6 Milliarden US-Dollar einbringen.

Weitere Partner zu finden dürfte nicht schwer sein. Tesla gehört in den USA zu den Börsenstars, die Kurse gehen steil bergauf. Zu den Investoren gehören auch die Autobauer Daimler und Toyota.

Die Aussichten auf dem Batteriemarkt sind rosig. Die Unternehmensberatung AT Kearney geht bereits für das Jahr 2025 von einem weltweiten Umsatz von 100 Milliarden US-Dollar aus.

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EU-Parlament stimmt für Abgasvorgaben und Supercredits

Nach langem Tauziehen hat das Europäische Parlament am Dienstag strengere Abgasvorschriften für Neuwagen in der EU beschlossen. Ab dem Jahr 2021 dürfen die Neuwagen in der EU im Durchschnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer ausstoßen. Der Wert wird auf die gesamte Flotte eines Herstellers bezogen, einige Fahrzeuge dürfen also mehr, andere dürfen dafür weniger Abgase produzieren.

Um die Werte hatte es eine lange Diskussion gegeben. Vor allem Deutschland hatte sich auf Druck der heimischen Hersteller gegen zu strenge Auflagen gewehrt.

Auf deutsche Initiative gehen auch die “Supercredits” zurück. Sie ermöglichen es Herstellern, Elektroautos mehrfach auf die gesamten Flottenemissionen anzurechnen. Die Nullemissionsautos können also den Schadstoffaustoß von größeren Modellen, wie sie vor allem die deutschen Premiumanbieter im Angebot haben, ausgleichen.

Dies ist ein Grund für die milliardenschwere Elektrostrategie von BMW. Noch rechnet sich der Verkauf der E-Autos für die Hersteller nicht. Andererseits können sie mit den E-Fahrzeugen die Gesamtemissionen der Flotte senken, und damit Strafzahlungen vermeiden.

Wasserstoff geben

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Als erster Hersteller will Toyota im kommenden Jahr in einer größeren Serie ein Wasserstoffauto auf den Markt bringen. Der Wagen soll Platz für vier Passagiere bieten und voll alltagstauglich sein, verspricht der Autobauer. Stolzer Preis: 80.000 Euro.

Bis zum Marktdurchbruch der Brennstoffzellenautos dürften angesichts des hohen Preises noch einige Jahre vergehen. Die Hersteller kommen erst langsam in Gang, nachdem sie das Thema Wasserstoff jahrelang vor sich hergeschoben beziehungsweise verschoben haben. Mit den sich verschärfenden Abgasnormen in Europa, aber auf wichtigen Märkten wie Kalifornien oder China, steigt nun der Druck.

Die Technik an sich ist weitgehend ausgereift. In einer Testflotte mit Fahrzeugen von Daimler, GM und Toyota sind bereits seit mehr als zehn Jahren Wasserstoffautos in Berlin und anderen deutschen Städten unterwegs.

Doch Marktstarts wurden immer wieder vertagt. Zuletzt zog Daimler seine für dieses Jahr geplante B-Klasse mit Wasserstoffantrieb zurück. Der Grund: Wegen der hohen Kosten sah der Hersteller keine Möglichkeit, den Wagen an den Kunden zu bringen.

Energiespeicher

Im Verbund mit Ford und GM will der Konzern nun über höhere Stückzahlen bei den Brennstoffzellen die Preise senken. Neuer Termin ist nun 2017. Toyota hat damit einen kleinen Vorsprung.  Bereits im vergangenen Jahr hatte das südkoreanische Unternehmen Hyundai einen Wasserstoffwagen in einer Kleinserie von rund 1.000 Stück auf den Markt gebracht. Der ix35 Fuel Cell ist aber nur als Leasingfahrzeug zu haben.

Noch hapert es zudem an der Infrastruktur. Aktuell gibt es rund 15 Wasserstofftankstellen in Deutschland. In den kommen Jahren soll die Zahl auf 50 ansteigen, damit zumindest auf zentralen Routen eine Tankmöglichkeit gewährleistet ist. Den Ausbau finanzieren Unternehmen wie Daimler, Total und Linde gemeinsam mit der Bundesregierung.

Erklärter Wille ist es, den Wasserstoff aus regenerativen Quellen, vor allem aus der Elektrolyse mit Windstrom, herzustellen. Der grüne Strom wird dabei genutzt um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Pilotanlagen stehen unter anderem in Brandenburg und Hamburg.  Bei der Umwandlung gehen allerdings rund 30 Prozent der ursprünglichen Energie verloren.

Deshalb wird ausschließlich Strom verwandt, der vom Stromnetz nicht mehr aufgenommen und sonst nicht genutzt werden kann.  Auf diese Weise könnte der Wasserstoff als Speicher eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielen.  Die soll auch dieses Video der Clean Energy Partnership, in der unter anderem EnBW, Daimler, Total und Linde zusammengeschlossen sind, zeigen.

Foto: CEP

Dem Leitmarkt näher?

Positive Nachrichten für die Bundesregierung: Laut aktuellem Electric-Vehicle Index der Unternehmensberatung McKinsey hat Deutschland seine Position im internationalen E-Mobilitätsvergleich verbessert. Hinter den USA, dem derzeit größten Markt für Elektroautos, liegt Deutschland nun an Platz zwei, obwohl hierzulande erst gut 14.000 reine E-Autos unterwegs sind. McKinsey sieht aber gute Perspektiven: Bereits in fünf Jahren könnte die Produktionskapazität für Batterieautos in Deutschland auf 460.000 Fahrzeuge hochschnellen.

Ein Grund: Die deutschen Hersteller erwachen aus dem elektromobilen Winterschlaf. BMW freut sich über viele Bestellungen für seinen i3. Und bei VW stromert es seit der vergangenen Woche nun auch in der Golfklasse. Weitere Modelle folgen. BMW kündigte zu Beginn der Woche an, wegen steigender Nachfrage die Produktion seines Hightech-Werkstoffes Carbon hochzufahren. Der Autobauer nutzt das Material für sein Batterieauto i3 und den in diesem Jahr startenden Hybridwagen i8.

Noch ist Japan etwa bei den Hybriden absoluter Marktführer. Allein Toyota hat bisher weltweit rund sechs Millionen Fahrzeuge mit gekeppeltem Antrieb verkauft. Bei Plug-in-Hybriden hat Toyota ebenfalls einen Vorsprung. Auf den Märkten in den USA und in Europa werden diese Fahrzeuge aber nach Einschätzung von McKinsey nicht so stark nachgefragt. Der Trend gehe zum reinen Batteriefahrzeug.

Und China? Das Reich der Mitte galt bis vor einigen Jahren als der kommenden Markt für E-Autos. Allerdings gelangt es den chinesischen Herstellern bisher nicht, ihren Vorsprung in der Batterietechnik für kleinere Anwendungen wie Laptops oder Handys auf den Automobilsektor zu übertragen. Die chinesische Regierung schraubte im vergangenen Jahren ihre ambitionierten Ziele zurück. Im aktuellen Vergleich von McKinsey rangiert China auf Platz sechs, auf einer Höhe mit Großbritannien und Italien.

 

Es stromert ein bisschen mehr

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Im Januar erhielten 541 reine Elektroautos eine Zulassung, das sind etwa 100 mehr als im Dezember und doppelt soviel wie im Januar 2013, wie aus den aktuellen Zahlen des Kraftfahrtbundessamtes hervorgeht. Die Gesamtzahl aller in Deutschen zugelassenen E-Autos dürfte damit bei knapp 14.000 liegen. Damit liegt sie weiter hinter den Erwartungen von Bundesregierung und Industrie. Die Nationale Plattform Elektromobilität hatte in ihren Szenarien für das Jahresende 2014 eine Zahl von 100.000 E-Autos avisiert. Dies scheint aus heute Sicht unrealistisch.

Auf die 100.000-Grenze steuern zumindest die Hybdrid-Autos zu. Die Zahl der Zulassungen stieg hier um 6,3 Prozent im Vergleich zum Januar 2013. Ende vergangenen Jahres waren insgesamt 92.000 Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieb auf deutschen Straßen unterwegs.

Großer Beliebtheit erfreuen sich derzeit Erdgas-Fahrzeuge. Die Zahl der Zulassungszahlen stieg um 58 Prozent. Ein Grund: Die Hersteller haben ihr Angebot an Erdgasfahrzeugen zuletzt deutlich aufgestockt. Die Bundesregierung hatet zudem angekündigt, die 2018 auslaufende Steuervergünstigung für Erdgasautos zu verlängern.

Foto: Volkswagen